Nahtlose Integration zwischen stationärem Handel und Online-Shop ohne technisches Chaos
Publié le 11 mars 2024

Das grösste Chaos bei der Verbindung von Online- und Offline-Kanälen ist nicht technisch, sondern organisatorisch.

  • Inkonsistente Kundendaten und getrennte Warenbestände zerstören die Kundenerfahrung und verursachen hohe Kosten.
  • Falsche Provisionsmodelle schaffen einen internen Konflikt, der jede Omnichannel-Strategie von innen heraus sabotiert.

Empfehlung: Heilen Sie zuerst die internen „Systembrüche“ in Ihren Prozessen und Anreizsystemen, bevor Sie in eine neue Technologieplattform investieren.

Die Realität im deutschen Einzelhandel ist oft ernüchternd: Der Online-Shop läuft auf einer anderen Software als die Kassen in den Filialen, die Kundendaten sind in getrennten Silos gefangen, und der Lagerbestand des Webshops hat keine Ahnung, was in den Regalen der Geschäfte liegt. Ein Kunde, der online etwas kauft und in der Filiale zurückgeben möchte, löst eine Kaskade manueller Prozesse und interner Verwirrung aus. Dieses Szenario ist kein technisches Versagen, sondern das Symptom eines tiefer liegenden Problems.

Viele Händler versuchen, diese Kluft mit dem Schlagwort „Omnichannel“ zu überbrücken. Sie führen Click & Collect ein, schalten Anzeigen auf Social Media und hoffen das Beste. Doch oft führt dies nur zu mehr Komplexität: überlastetes Personal in den Filialen, ungenaue Bestandsanzeigen und frustrierte Kunden, deren Erwartungen an ein nahtloses Erlebnis enttäuscht werden. Das Grundproblem bleibt ungelöst, denn die Kanäle agieren weiterhin als Konkurrenten und nicht als Partner.

Doch was, wenn die Lösung nicht darin liegt, noch eine weitere Software-Schicht über das bestehende Chaos zu legen? Was, wenn der Schlüssel darin besteht, einen Schritt zurückzutreten und die fundamentalen Brüche in den Prozessen und der Organisation zu heilen? Dieser Artikel vertritt einen praxisnahen Ansatz: Die erfolgreichste Verbindung von stationärem Handel und E-Commerce beginnt nicht mit der Technologie, sondern mit der strategischen Entscheidung für eine einheitliche Datenwahrheit und die Auflösung interner Kanal-Konflikte. Nur auf diesem Fundament kann eine technische Lösung ihr volles Potenzial entfalten und echtes, profitables Wachstum generieren.

In diesem Leitfaden beleuchten wir die kritischen Schwachstellen, die den Erfolg Ihrer Omnichannel-Strategie verhindern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese organisatorischen Hürden überwinden und eine solide Grundlage für die digitale Zukunft Ihres Unternehmens schaffen.

Warum inkonsistente Kundendaten zwischen Filiale und Webshop Ihre Loyalität zerstören?

Ein Stammkunde betritt Ihre Filiale. Er hat gestern online eine teure Jacke gekauft, ist aber unsicher wegen der Grösse. An der Kasse kann die Mitarbeiterin seine Bestellung nicht im System finden. „Haben Sie online gekauft? Da haben wir leider keinen Zugriff drauf.“ Dieser Satz ist der Todesstoss für jede Kundenloyalität. Für den Kunden gibt es nur eine Marke, nicht zwei getrennte Unternehmen namens „Online“ und „Filiale“. Solche Systembrüche in der Kundenerfahrung führen nicht nur zu Frustration, sondern auch zu messbaren wirtschaftlichen Nachteilen. Laut einer Studie geben 68 % der Unternehmen an, dass die fehlende Integration von Kundendaten eine ihrer grössten strategischen Herausforderungen darstellt.

Das Problem hat zwei Dimensionen: die Kundensicht und die interne Effizienz. Extern führt ein fragmentiertes Kundenbild zu irrelevantem Marketing. Der Kunde, der die Jacke bereits gekauft hat, erhält eine Woche später einen Rabattcode genau für diese Jacke. Intern bedeutet es, dass wertvolle Informationen verloren gehen. Die Filialmitarbeiterin weiss nichts von den Online-Präferenzen des Kunden und kann ihn nicht gezielt beraten. Das Marketing-Team kann keine ganzheitlichen Kundenprofile erstellen und den Customer Lifetime Value nicht effektiv steigern.

Zusätzlich birgt die Trennung der Datentöpfe erhebliche rechtliche Risiken, insbesondere in der DACH-Region. Die DSGVO verlangt eine transparente und einheitliche Verwaltung von Kundendaten. Wenn ein Kunde sein Recht auf Auskunft oder Löschung wahrnehmen will, müssen Sie in der Lage sein, seine Daten über alle Systeme hinweg zu identifizieren und zu verwalten. Eine Bitkom-Studie von 2024 zeigt, dass für 76 % der Unternehmen die Rechtsunsicherheit bei der DSGVO-Umsetzung die grösste Herausforderung ist – ein Risiko, das durch Datensilos potenziert wird. Eine zentrale „Daten-Wahrheit“ ist daher keine technische Spielerei, sondern eine unternehmerische Notwendigkeit.

Wie richten Sie « Click & Collect » so ein, dass das Filialpersonal nicht überlastet wird?

Click & Collect wird oft als Allheilmittel für die Verbindung von Online- und Offline-Handel gepriesen. In der Praxis kann es sich jedoch schnell zum Albtraum für das Filialpersonal entwickeln und die Servicequalität vor Ort massiv beeinträchtigen. Wenn Mitarbeiter ständig zwischen der Beratung von Ladenkunden und dem Suchen von Online-Bestellungen in einem unorganisierten Hinterzimmer hin- und herhetzen, leidet die Effizienz. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass bei 30-40 % der Click & Collect-Abwicklungen Probleme auftreten, die oft auf schlecht definierte Prozesse zurückzuführen sind.

Der Schlüssel zur Vermeidung dieses Chaos liegt in der Prozessoptimierung und der Schaffung klarer Strukturen, bevor der Service live geschaltet wird. Anstatt Online-Bestellungen einfach als zusätzliche Aufgabe zu betrachten, müssen sie als integraler Bestandteil des Filialbetriebs geplant werden. Dies beginnt mit einer dedizierten Abholzone, die klar ausgeschildert und vom normalen Kassenbereich getrennt ist, um Wartezeiten für beide Kundengruppen zu minimieren.

Dieser klar definierte Prozess ist entscheidend für eine positive Kundenerfahrung und entlastet das Personal spürbar.

Optimierte Click & Collect Zone in einer modernen Filiale

Technologie muss das Personal unterstützen, nicht belasten. Ein einfaches, mobiles Tool (z.B. auf einem Tablet oder MDE-Gerät), das den Mitarbeitern in Echtzeit anzeigt, welche Bestellungen zur Abholung bereit sind und wo genau sie im Lager zu finden sind, ist unerlässlich. Eine intelligente Bestandsführung, die bereits bei der Online-Bestellung den genauen Lagerort in der Filiale zuweist, verhindert langes Suchen. Ebenso wichtig ist die Schulung: Das Personal muss nicht nur die Technik bedienen können, sondern auch den strategischen Wert von Click & Collect verstehen – als Chance, Online-Kunden in die Filiale zu holen und durch exzellenten Service für Zusatzverkäufe zu begeistern.

Unified Commerce oder Multi-Channel: Welcher Ansatz verhindert Bestandsfehler im Lager?

Die Begriffe „Multi-Channel“, „Omni-Channel“ und „Unified Commerce“ werden oft synonym verwendet, beschreiben aber fundamental unterschiedliche Ansätze mit direkten Auswirkungen auf Ihr Lager und Ihre Fehlerquote. Ein Multi-Channel-Ansatz bedeutet lediglich, dass Sie über mehrere Kanäle verkaufen (z.B. Filiale, Webshop, Marktplatz). Das Problem: Jeder Kanal hat oft sein eigenes System, seine eigenen Daten und seinen eigenen isolierten Lagerbestand. Das Resultat sind die bekannten Fehler: Ein Artikel wird online verkauft, obwohl er in der Filiale bereits vergriffen ist, oder umgekehrt.

Unified Commerce geht einen entscheidenden Schritt weiter. Es ist nicht nur eine Strategie, sondern eine technologische Architektur. Der Kern von Unified Commerce ist eine einzige, zentrale Plattform, die als „Single Source of Truth“ für alle Kanäle dient. Alle Daten – Kundenprofile, Bestellungen und vor allem die Bestände – werden in Echtzeit synchronisiert. Wenn ein Artikel in der Filiale über die Kasse geht, ist er sofort online nicht mehr verfügbar. Dies minimiert Bestandsfehler drastisch und ermöglicht erst wirklich nahtlose Kundenerlebnisse wie die zuverlässige Anzeige von Filialverfügbarkeiten im Online-Shop.

Die folgende Tabelle verdeutlicht die zentralen Unterschiede und zeigt, warum Unified Commerce der überlegene Ansatz zur Vermeidung von Bestandsfehlern ist, wie auch eine vergleichende Analyse von Unic nahelegt.

Vergleich: Unified Commerce vs. Multi-Channel
Aspekt Multi-Channel Unified Commerce
Datenbasis Getrennte Systeme pro Kanal Eine zentrale ‘Single Source of Truth’
Bestandsverwaltung Isolierte Lagerbestände Echtzeit-synchronisierte Bestände
Implementierung Schneller Start möglich Höhere initiale Komplexität
Fehlerquote Höheres Risiko von Bestandsfehlern Minimierte Fehler durch Echtzeit-Daten

Während der initiale Aufwand für die Implementierung einer Unified-Commerce-Plattform höher sein kann, weil bestehende Prozesse und Systeme konsolidiert werden müssen, zahlt sich die Investition langfristig durch geringere Betriebskosten, weniger Retouren aufgrund von Fehlbeständen und eine deutlich höhere Kundenzufriedenheit aus. Es ist der definitive Schritt weg von reaktivem Fehler-Management hin zu einer proaktiven, datengesteuerten Handelsstrategie.

Der Fehler im Provisionsmodell, der Ihre Filialmitarbeiter gegen den Online-Shop aufhetzt

Stellen Sie sich eine Filialmitarbeiterin vor, die eine Stunde lang einen Kunden intensiv berät. Der Kunde ist begeistert, zückt sein Handy und sagt: „Vielen Dank, ich bestelle es mir schnell online, da ist es versandkostenfrei.“ In einem traditionellen, rein filialbasierten Provisionsmodell hat die Mitarbeiterin gerade eine Stunde umsonst gearbeitet. Schlimmer noch: Der Online-Shop wird als direkter Konkurrent wahrgenommen, der ihr den Umsatz „stiehlt“. Dieser Kanal-Konflikt ist einer der grössten Saboteure jeder Omnichannel-Strategie und wird durch veraltete Anreizsysteme aktiv befeuert.

Warum sollte ein Mitarbeiter einem Kunden helfen, einen online vergriffenen Artikel in einer anderen Filiale zu finden, wenn er dafür nicht belohnt wird? Warum sollte er eine Online-Retoure freundlich abwickeln, wenn diese seinen Filialumsatz statistisch mindert? Die Antwort liegt in der Neugestaltung der Anreizsysteme. Die Provision darf nicht länger nur an den direkten Verkauf in der Filiale gekoppelt sein. Der Fokus muss sich auf den Gesamterfolg der Marke und den Wert des Kunden über alle Kanäle hinweg verlagern.

Moderne Provisionsmodelle belohnen die Zusammenarbeit. Ein „Shared Success“-Modell beispielsweise vergütet das gesamte Filialteam auf Basis des Gesamtumsatzes einer definierten Zone, der sowohl Online- als auch Offline-Verkäufe umfasst. Eine andere Möglichkeit ist die Nachverfolgung von „Omnichannel-Assisted Sales“: Mitarbeiter erhalten persönliche QR-Codes oder Links, die sie Kunden mitgeben können. Kauft der Kunde später online über diesen Link, wird der Verkauf dem beratenden Mitarbeiter gutgeschrieben. Solche Modelle verwandeln Mitarbeiter von reinen Verkäufern zu Markenbotschaftern, deren Ziel es ist, den Kunden bestmöglich zu bedienen – egal, wo der Kauf am Ende stattfindet. Dies ist umso wichtiger, da Omnichannel-Kunden einen um bis zu 30 % höheren Customer Lifetime Value aufweisen können.

Wann ist Ihr Unternehmen reif für eine App zusätzlich zum Webshop und den Filialen?

Die Frage nach einer eigenen mobilen App kommt bei vielen Händlern auf, sobald der Online-Shop etabliert ist. Doch eine App ist eine teure Investition in Entwicklung und Wartung, die sich nur unter bestimmten Voraussetzungen lohnt. Eine App nur als weiteren Verkaufskanal zu betrachten, greift zu kurz. Ihr wahrer Wert liegt in der Stärkung der Kundenbindung und der Schaffung eines „Loyalty-Loops“ bei Ihren treuesten Kunden. Eine App ist dann sinnvoll, wenn sie ein Problem löst oder ein Erlebnis bietet, das eine mobile Website nicht leisten kann.

Der erste Indikator für die App-Reife ist eine hohe Wiederholungskaufrate. Kaufen Ihre Top-10-%-Kunden mehrmals im Jahr bei Ihnen? Dann haben Sie eine Basis an loyalen Nutzern, für die sich eine App lohnen könnte. Der zweite und wichtigste Punkt ist das Vorhandensein eines „Killer-Features“. Dies ist eine Funktion, die die Hardware des Smartphones nutzt und einen echten Mehrwert bietet. Beispiele sind eine Augmented-Reality-Funktion, mit der Kunden Möbel in ihrem Wohnzimmer visualisieren können, oder eine GPS-basierte Funktion, die exklusive Angebote anzeigt, wenn sich der Kunde in der Nähe einer Filiale befindet. Ohne ein solches Alleinstellungsmerkmal ist eine App oft nur eine teurere Kopie des Webshops.

Ein pragmatischer Zwischenschritt kann eine Progressive Web App (PWA) sein. PWAs sind im Grunde mobile Websites, die App-ähnliche Funktionen wie Push-Benachrichtigungen, Offline-Zugriff und einen Homescreen-Button bieten, ohne die hohen Kosten einer nativen App. Sie ermöglichen es Unternehmen, mobile Funktionalitäten zu testen und die Akzeptanz bei den Kunden zu messen, bevor die endgültige Entscheidung für eine vollwertige App-Entwicklung fällt. Damit können Sie das Risiko minimieren und datengestützt agieren.

Ihr Action-Plan: Ist Ihr Unternehmen App-reif?

  1. Loyalty-Loop definieren: Haben Sie spezifische, wiederkehrende Aktionen oder Vorteile für Ihre Top-10-%-Kunden identifiziert, die eine App rechtfertigen?
  2. Killer-Feature identifizieren: Gibt es eine konkrete Idee für eine Funktion, die Hardware wie Kamera (AR) oder GPS nutzt und über die mobile Website hinausgeht?
  3. Wiederholungskaufrate analysieren: Kauft ein signifikanter Teil Ihrer Kunden mindestens einmal pro Quartal, sodass eine App auf dem Homescreen präsent bleiben würde?
  4. PWA-Potenzial prüfen: Wurden die Möglichkeiten einer Progressive Web App als kostengünstiger erster Schritt zur Messung des mobilen Engagements bewertet?
  5. Ressourcen planen: Sind neben den Entwicklungskosten auch Budgets für die laufende Wartung, Updates und das App-Marketing fest eingeplant?

Wie ziehen Sie 10.000 Artikel um, ohne dass Ihre SEO-Rankings abstürzen?

Ein Relaunch oder der Wechsel des Shopsystems ist für jeden Online-Händler ein kritischer Moment. Besonders bei grossen Produktkatalogen lauert die Gefahr, über Nacht einen Grossteil der hart erarbeiteten Sichtbarkeit bei Google zu verlieren. Ein SEO-Absturz nach einer Migration ist jedoch kein Schicksal, sondern meist das Ergebnis mangelhafter Planung. Der Schlüssel liegt in einer akribischen technischen Vorbereitung und einem kontrollierten Übergang. Ein „Big Bang“-Launch ohne vorherige Tests ist die sicherste Methode, um in einer Katastrophe zu enden.

Der wichtigste Schritt ist die Erstellung einer vollständigen Liste aller bestehenden URLs und die Zuordnung jeder alten URL zu ihrer neuen Entsprechung. Diese URL-Mapping-Tabelle ist die Grundlage für die Einrichtung von 301-Weiterleitungen. Jede URL, die nicht korrekt weitergeleitet wird, führt zu einem 404-Fehler und signalisiert Google, dass die Seite nicht mehr existiert – ein verheerendes Signal für Ihre Rankings. Es gilt die 80/20-Regel: Konzentrieren Sie Ihre Ressourcen zuerst auf die 20 % der URLs (meist Top-Produkte und Kategorien), die 80 % Ihres Traffics und Umsatzes generieren. Diese dürfen unter keinen Umständen fehlschlagen.

Eine bewährte Methode ist die Nutzung einer passwortgeschützten Staging-Umgebung. Auf dieser Testversion Ihres neuen Shops können Sie nicht nur die Funktionalität prüfen, sondern auch den Googlebot gezielt die neue Struktur crawlen und indexieren lassen, bevor die Seite live geht. So kann Google die Änderungen bereits „lernen“, was den Übergang erheblich glättet. Nutzen Sie die Migration auch als Chance zur Konsolidierung: Oft haben sich über die Jahre viele schwache oder thematisch ähnliche Kategorieseiten angesammelt. Fassen Sie diese zu einer starken, umfassenden Seite zusammen, um den „Link Juice“ zu bündeln und Ihre thematische Autorität zu stärken. Nach dem Launch ist ein intensives Post-Launch-Monitoring unerlässlich. Richten Sie sich Custom Dashboards in der Google Search Console und Analyse-Tools ein, um 404-Fehler, Ranking-Veränderungen und Traffic-Einbrüche sofort zu erkennen und schnell reagieren zu können.

Wie nutzen Sie eigene Kundendaten für Kampagnen, wenn Third-Party-Cookies wegfallen?

Das Ende der Third-Party-Cookies markiert einen Wendepunkt im Online-Marketing. Das Verfolgen von Nutzern über fremde Websites hinweg wird unmöglich. Für viele Händler, die stark auf Retargeting über grosse Werbenetzwerke gesetzt haben, bricht ein zentraler Pfeiler ihrer Strategie weg. Doch diese Veränderung ist auch eine riesige Chance: Sie zwingt Unternehmen dazu, sich auf ihre wertvollste Ressource zu konzentrieren – die eigenen Kundendaten (First-Party-Data) und die freiwillig zur Verfügung gestellten Daten (Zero-Party-Data).

First-Party-Data sind alle Informationen, die Sie direkt von Ihren Kunden erhalten: Kaufhistorie, Interaktionen mit Ihrem Newsletter, Verhalten auf Ihrer Website. Zero-Party-Data gehen noch einen Schritt weiter: Es sind Daten, die ein Kunde proaktiv und absichtlich mit Ihnen teilt. Dazu gehören Präferenzen, die in einem Quiz abgefragt werden, Interessen, die im Kundenkonto hinterlegt werden, oder eine Wunschliste. Der Vorteil: Diese Daten sind exklusiv, qualitativ hochwertig und – mit der richtigen Einwilligung – DSGVO-konform nutzbar. Die Dringlichkeit wird dadurch unterstrichen, dass laut Maya Insights 2024 immer noch rund 40 % der B2B-Unternehmen nicht alle DSGVO-Anforderungen erfüllen.

Ein exzellentes Beispiel für die Nutzung von Zero-Party-Data ist das Loyalty-Programm von Douglas. Über die App werden Kunden ermutigt, ihre Beauty-Präferenzen, ihren Hauttyp oder ihre Lieblingsmarken zu teilen. Im Gegenzug erhalten sie personalisierte Empfehlungen, exklusive Tutorial-Videos und passende Angebote. Douglas baut so eine direkte Beziehung auf, die nicht von externen Tracking-Technologien abhängig ist. Statt anonyme Nutzer zu jagen, kommuniziert das Unternehmen mit bekannten Kunden auf Basis ihrer explizit geäusserten Wünsche. Der Schlüssel liegt darin, einen klaren Mehrwert im Austausch für die Daten zu bieten. Ob durch personalisierte Inhalte, exklusive Vorteile oder ein besseres Einkaufserlebnis – der Kunde muss verstehen, warum es sich für ihn lohnt, seine Daten preiszugeben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Organisation vor Technologie: Die grössten Hürden bei der Verbindung von Online und Offline sind interne Prozesslücken und falsche Anreize, nicht die Software.
  • Unified Commerce als Ziel: Nur eine zentrale Datenplattform (Unified Commerce) schafft eine echte „Single Source of Truth“ und verhindert teure Bestandsfehler.
  • Mitarbeiter als Verbündete: Moderne Provisionsmodelle, die den Gesamterfolg belohnen, verwandeln Filialpersonal von Konkurrenten zu wichtigen Markenbotschaftern.

Shopify, Shopware oder Magento: Welches Shopsystem passt zu Ihrem deutschen Mittelstands-Business?

Die Wahl des richtigen Shopsystems ist eine der folgenreichsten Entscheidungen für einen Händler. Sie beeinflusst nicht nur die Kosten und die Skalierbarkeit, sondern auch die Fähigkeit, eine echte Unified-Commerce-Strategie umzusetzen. Für den deutschen Mittelstand stehen oft drei grosse Namen im Raum: Shopify, Shopware und Magento (jetzt Adobe Commerce). Eine pauschale Empfehlung ist unmöglich; die richtige Wahl hängt von der individuellen Strategie, den vorhandenen Ressourcen und der technischen Vision ab. Anstatt nur Features zu vergleichen, sollte der Fokus auf der Systemarchitektur und der Total Cost of Ownership (TCO) liegen.

Die entscheidende Frage ist ‘Architektur’, nicht ‘System’

– Omnichannel-Experten, E-Commerce Vision Analyse

Die Architektur bestimmt, wie flexibel Sie in Zukunft auf neue Anforderungen reagieren können. Eine moderne, API-basierte (Headless) Architektur trennt das Frontend (was der Kunde sieht) vom Backend (der Logik dahinter). Dies ermöglicht es, neue Kanäle wie Apps, Social-Commerce-Funktionen oder IoT-Geräte anzubinden, ohne das Kernsystem anzufassen. Eine monolithische Architektur, bei der alles fest miteinander verbunden ist, kann hier schnell an ihre Grenzen stossen. Die Frage ist also nicht nur „Was kann das System heute?“, sondern „Wie einfach kann ich das System in drei Jahren anpassen?“.

Für den deutschen Mittelstand sind zudem spezifische Integrationen (z.B. für DHL, Klarna, DATEV) und die DSGVO-Konformität von entscheidender Bedeutung. Die folgende Übersicht bietet eine grobe Einordnung der Systeme anhand dieser strategischen Kriterien.

Shopsysteme für den deutschen Mittelstand
Kriterium Shopify Shopware Magento
Architektur Cloud-basiert, Headless möglich Flexibel, On-Premise/Cloud Monolithisch/Composable
Deutsche Integrationen Wachsend, API-basiert Sehr stark (Klarna, DHL, DSGVO) Umfangreich, aber komplex
TCO über 5 Jahre Niedrig-Mittel Mittel Hoch
Skalierbarkeit Sehr hoch Hoch Hoch, aber ressourcenintensiv

Letztendlich ist die Systemwahl der letzte Schritt einer langen Reise. Sie kann erst dann fundiert getroffen werden, wenn die strategischen Fragen aus den vorherigen Abschnitten geklärt sind: Haben Sie eine einheitliche Datenstrategie? Sind Ihre internen Prozesse harmonisiert? Sind Ihre Mitarbeiter an Bord? Ein leistungsstarkes System auf ein organisatorisches Chaos zu setzen, ist wie ein Ferrari-Motor in einem rostigen Kleinwagen – die wahre Leistung wird niemals auf die Strasse kommen.

Um diese Transformation erfolgreich zu meistern, ist der nächste logische Schritt eine ehrliche Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Prozesse und Systeme. Beginnen Sie damit, die in diesem Artikel aufgezeigten „Systembrüche“ in Ihrem eigenen Unternehmen zu identifizieren und einen konkreten Plan zur deren Behebung zu entwickeln.

Rédigé par Julia Hoffmann, Julia Hoffmann ist eine erfahrene E-Commerce-Managerin, die sich auf die Optimierung von Onlineshops für DACH-Märkte spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung in UX-Design und Shop-Architektur steigert sie Umsätze durch bessere Usability. Sie kennt die Tücken von Shopware, Shopify und Magento im Detail.